der schoggijob

als ich vor 17 jahren meine ausbildung zum coach gemacht habe, hatte ich einen lehrer, der bei den coachings einfach nur so da hing.

er sagte immer:

„coaching ist ein schoggijob. du musst nichts tun, nur die richtigen fragen stellen.“

das hat mir damals sehr eingeleuchtet.

und gleichzeitig war es für mich kaum auszuhalten.

mit meinem anspruch, für mein geld auch ordentlich etwas leisten zu müssen, passte das überhaupt nicht zusammen.

ich dachte, wenn jemand für meine zeit bezahlt, dann muss ich auch etwas tun.

etwas geben.
etwas bewegen.
etwas bewirken.

jetzt, 17 jahre später ist mir dieser satz wieder in den sinn gekommen.

und plötzlich verstehe ich ihn ganz anders.

denn eigentlich ist es in meinen begleitungen ganz ähnlich.

ich liebe, was ich tue.
ich kann es.
und es fällt mir leicht.

vielleicht genau deshalb, weil ich nichts tun muss.

und gleichzeitig merke ich:

nichts tun zu müssen, kann ganz schön anstrengend sein.

nicht eingreifen.
nichts reparieren.
keine lösung liefern.
nicht wissen, wo es hingeht.

einfach da sein.

und darauf vertrauen, dass der andere mensch selbst spürt, was für ihn oder sie richtig ist.

ich glaube, jeder mensch trägt dieses wissen in sich.

manchmal ist es nur nicht so leicht zugänglich.

weil so vieles darüberliegt.

gedanken.
erwartungen.
alte geschichten.
angst.
traurigkeit.
erschöpfung.

und manchmal braucht es einfach jemanden, der einen raum hält.

einen raum, in dem das, was gerade da ist, sein darf.

in dem etwas hervorkommen kann, das vielleicht schon lange da ist.

manchmal braucht es einen impuls.
einen tipp.
einen energieschub.

manchmal ist jemand einfach geschwächt, traurig oder mitten in etwas, das gerade zu viel ist.

aber ich heile niemanden.

ich kann keine erwartungen erfüllen.

ich weiss nicht, was für einen anderen menschen richtig ist.

ich kann nur wahrnehmen, was gerade da ist.

und was gerade dran sein könnte.

denn wir menschen sehen unsere prozesse oft sehr einseitig.

wir möchten verstehen, warum etwas passiert.

und am liebsten auch gleich wissen, was wir tun müssen, damit es wieder anders wird.

aber manchmal ist es viel komplexer.

vielschichtiger.

und vielleicht muss es auch gar nicht sofort anders werden.

vielleicht braucht es manchmal einfach einen raum.

einen raum, in dem nichts muss.

in dem nichts geleistet werden muss.

in dem nichts repariert werden muss.

genau dafür steht für mich roomm.

raum für deine klarheit.

nicht der raum, in dem ich dir sage, was richtig ist.

sondern der raum, in dem du wieder hören kannst, was in dir längst da ist.

und eigentlich ist das mein grösster wunsch für meine begleitungen:

dass du irgendwann nicht mehr zu mir kommen musst.

nicht, weil dann nichts mehr schwierig ist.

sondern weil du wieder gelernt hast, selbst zu spüren.

selbst zu vertrauen.

selbst zu wissen, was gerade dran ist.

vielleicht ist das der eigentliche schoggijob.

nicht nichts zu tun.

sondern nichts tun zu müssen.

und darauf zu vertrauen, dass da bereits alles ist, was es braucht.

auch wenn genau das manchmal das anstrengendste überhaupt ist.

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